welcome to absurdistan

eine gegend der weltkarte, auf die der blick seltener fällt (im gegensatz zu mauritius, den seychellen oder mallorca) ist zentralasien. dort gibt es den kleinen aber feinen staat turkmenistan. ähnlich wie nordkorea zählt turkmenistan zu den „witzigeren“ staaten der weltgeschichte – solange man nicht dort leben musz:

hervorgegangen aus der konkursmasze der udssr, ist es seid 1991 eigenständig. der präsident auf lebenszeit, nijasow, läszt sich ganz bescheiden als türkmenbaşy, als „vater aller turkmenen“ bezeichnen, vor diesem heiligen amt war er vorsitzender der kp, also auch ein heilger. insgesamt ein weiteres beispiel für das

„Weltbild eines postmarxistischen, durch die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie gestählten, d.h. von allen Skrupeln befreiten Kapitalismus [..]. Es ist das Weltbild eines Marxismus, von dem die Intention, einen Verein freier Menschen zu gründen, abgezogen worden ist, durch welche Subtraktion dann Marxens Kritik der Ausbeutung sich ebenso in eine Lehrbuch für ‚Ausbeutung mit System‘ verwandelt.“ (Pohrt, Brothers in Crime, S.83)

diese „ausbeutung mit system“ trägt in diesem fall noch die züge eines – der „vater aller turkmenen“ läszt es ahnen – wahnwitzigen personenrummels. daher ist es auch nur folgerichtig, dasz die monate nach ihm und seiner familie umbenannt wurde. ihm zu ehren heiszt auch ein meteor – was sagen unsere freunde von der nasa dazu? über die obligatorischen standbilder musz man glaub ich auch nicht reden, auszer dasz nijasow sich zumeist mit frau mama in granit abbilden läszt. kommen wir aber zu dem, was diesen mann

der präsident (er hier)

wirklich auszeichnet: eine vorliebe für – sagen wir mal gelinde – total bescheuerte gesetze.

- als nijasow das rauchen nach einer herz-op aufhören muszte hat er ein totales rauchverbot in der öffentlichkeit verhängt.

- zur aufbeszerung der rentenkasze liesz er nicht nur die auszahlung der renten stoppen, sondern zwang rentner noch zur rückzahlung erhaltener renten.

- eins der hobbys nijasows besteht in „geschichte“. daher ist es auch logisch, dasz ein solch bedeutender mann die geschichte turkmenistans neu niedergeschrieben hat. eins dieser bücher ist die „ruknama“, über das man sogar bei der führerscheinprüfung gefragt wird. „Diese Prüfung in der Rukhnama ist nötig, damit die Autofahrer gut ausgebildet sind in den moralischen Prinzipien der Turkmenischen Gesellschaft.“ (amtliche stellungnahme) ein beliebter trick westlicher firmen besteht darin, statt die üblichen schmiergelder zu zahlen, die ruknama in weitere westliche sprachen übersetzen zu laszen.

- nijasow verkündete, ihm gefalle die goldüberzogenen kronen nicht. daraufhin durften studentInnen erst wieder studieren als sie weisze kronen hatten.

- mein highlight ist aber diese treppe:

die wohl längste treppe der welt (37km)

was es damit auf sich hat? diese treppe ist a.) beleuchtet b.) 37km lang c.) quer durch die wüste. und einmal im jahr werden alle minister zur gesundheitlichen erbauung über diese stufen gejagt und nijasow fliegt mit dem hubschrauber zur morgenpredigt an.

weitere informationen
wikipedia
dictator of the month january 2005
die rukhnama auf englisch


6 Antworten auf „welcome to absurdistan“


  1. 1 Mullet 07. Juni 2006 um 5:47 Uhr

    Gnuahaha :D

    Du und dieser belanglose Schwank haben mir den Heiaabend mit Tränen in den Augen versüßt. Herrlich. :)

  2. 2 torsun 07. Juni 2006 um 11:38 Uhr

    so musz das sein! :D

  3. 3 Sven 09. Juni 2006 um 23:07 Uhr
  4. 4 spange 11. Juni 2006 um 23:36 Uhr

    boah, arschgeigen! ;)

  1. 1 tschau turkmembaschi | spange Pingback am 21. Dezember 2006 um 12:57 Uhr
  2. 2 generäle und mönche | spange Pingback am 27. September 2007 um 12:40 Uhr
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